Vier Stationen in vier Tagen

War das eine Woche! Halle, Leipzig, Berlin, Hamburg hießen die Stationen meiner Medientour zum Buch „Ein Leben für die Elefanten“. Alles mit dem eigenen Auto. Ich war echt durch, als ich zum Wochenende bei meinem Freund Arne in Berlin gelandet war. Doch ich würde es natürlich immer wieder machen. In wenigen Tagen habe ich viele interessante Leute kennengelernt, mit der Regisseurin Doris Dörrie ein wenig gequatscht und mit dem coolen Verleger Stefan Krücken. Es war schön, dass ich das alles erleben konnte.

Gerne hätte ich meine Mädels dabei gehabt, meine Frau Jana und meine Tochter Sinah. Doch leider waren die Herbstferien gerade vorbei, Sinah musste wieder in die Schule. So war ich dann allein unter all den schönen Menschen.

Die Tour begann am Sonntag, dem 27. Oktober, mit einem zweistündigen Radiointerview im MDR-Studio in Halle. Am Montag folgte die Nachmittagssendung „MDR um 4“ in Leipzig. Dienstagmorgen klingelte der Wecker in Berlin um 5, das  Frühstücksfernsehen bei Sat.1 stand an. Von da aus fuhr ich weiter nach Hamburg. Wegen des DFB-Pokalspiels zwischen dem HSV und dem VfB Stuttgart war schon tagsüber viel los in der Stadt. Da ich zunächst keinen Parkplatz in der Nähe meines Hotels fand, fiel der kurze Schlaf aus, den ich mir vor der Aufzeichnung der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ gönnen wollte. Die Sendung wurde am späten Nachmittag live aufgezeichnet und einen Tag später ausgestrahlt. Zwischenzeitlich traf ich noch den Journalisten Peter Wenig für Geschichten im Hamburger Abendblatt und in der Berliner Morgenpost, inklusive Fototermin im Tierpark Hagenbeck.

In meinem Leben habe ich mit Medien gute Erfahrungen gemacht. Aber ich bin kein Medienprofi. Rund um die Termine blieb ich mit Gwendolyn Simon und Julia Suchorski vom Rowohlt-Verlag in Kontakt. Welche Botschaften wollte ich rüberbringen, was würde mich im MDR, Sat.1 oder bei Lanz erwarten? Für meine Familie war es im Vorfeld wichtiger, wie ich aussehen würde. Also musste ich mir eine neue Hose, neue Schuhe und drei Pullover kaufen. An dieser Stelle kann ich auch gleich das familiäre Fazit meiner Auftritte liefern: „Du bist immer sympathisch rübergekommen. Der gelbe Pullover beim MDR stand dir am besten!“

Aber wie fällt mein Fazit aus?

Vor den Sendungen war ich immer ein wenig nervös, aber sobald ich im Studio  saß, legte sich das. „MDR um 4“ war für mich ein Heimspiel, und so fühlte ich mich auch. Mit einer halben Stunde stand mir dort die meiste Zeit zur Verfügung, der Moderator hatte das Buch gelesen und war gut vorbereitet. Im Sat.1-Frühstücksfernsehen blieb das Gespräch bei meinen drei Kurzeinsätzen weitgehend an der Oberfläche. Irgendwann stürmte auch noch eine Influencerin auf mich zu, um mich fünf Minuten lang für ihren Instagram-Kanal zu interviewen; ihren Namen konnte ich mir leider nicht merken.

Lanz war dann eine ganz andere Kategorie als die Sendungen vorher.

Speziell vor diesem Auftritt erhielt ich von verschiedenen Seiten diverse Tipps. Darunter auch den, im Sitzen meine Beine übereinanderzuschlagen. Das konnte ich aber nicht in meinen neuen Jeans, sorry. Wer die Sendung gesehen hat weiß, wie sie ablief. Eine knappe Stunde lang wurde über die Debattenkultur in unserem Land diskutiert, natürlich ging es auch um das Wahlergebnis in meiner Heimat Thüringen.

Ich war zwar außen vor bei der Diskussion, aber zwischenzeitlich platzte mir dann doch der Kragen, und so meldete ich mich ungefragt zu Wort. Tenor: „Ich bin zwar nur der Tierfritze, aber wir sollten auch mal über die 76 Prozent reden, die nicht die AfD gewählt haben. Generell sollten wir wieder viel mehr über das reden, was uns eint. Und nicht immer über das, was uns trennt.“ Das Studiopublikum, darunter auch meine alte Weggefährtin Birgit Sieberling, applaudierte.

Nachdem Gespräch des Moderators mit Doris Dörrie war ich dran. Mir war immer klar, dass ich die kleinste Nummer sein würde, ein Anhängsel. Mir blieb nicht viel Zeit. Und ich bin, das sagte ich schon, nicht erfahren in TV-Liveauftritten. Die Bilder, die zu meinem Auftritt aus unserem Camp in Thailand eingespielt wurden, waren toll und halfen mir, die Leute mitzunehmen im Sinne unserer Elefanten. Es war für mich alles in allem keine leichte Situation, und dafür habe ich das aus meiner Sicht ganz gut gemacht. Das Echo vieler Menschen hat mich darin bestärkt. Auch im Studio gab es viel Beifall; nach der Sendung kamen einige Zuschauer auf mich zu und klopften mir auf die Schulter.

Zu guter Letzt war auch noch Peter Wenigs Story im Hamburger Abendblatt toll aufgemacht und geschrieben, so war ich mit der Woche absolut zufrieden. Und ich habe einiges gelernt. Zum Beispiel, dass wir Elefantenleute uns nicht klein machen dürfen. Auch wir sind Tierschützer, das habe ich wohl glaubwürdig vermittelt. Bild links: Bodo bei Hagenbeck (Foto: Hamburger Abendblatt)

 

 

Marius und Karl (Foto: privat)

Es folgte der private, der gemütliche Teil. Im Tierpark Hagenbeck traf ich mich mit Elefantenpfleger Marius Kienzle. Er hat schon bei uns im Camp in Nordthailand gearbeitet. Er ist noch jung, ihm traue ich zu, einmal ein großer Elefantenmann zu werden. Ein solcher war und ist mein Vorbild Karl Kock. Mit Karl habe ich mich ebenfalls getroffen. Erst haben wir im Tierpark-Restaurant gegessen, dann sind wir an die Dönerbude zum Raki-Saufen gegangen. Wie wir Elefantemleute das manchmal so machen. Karl ist 84 und gerade erst ein paar Monate in Rente – ihn haben die Elefanten jung gehalten.

Was bleibt unter dem Strich von einer turbulenten Woche? Ich habe gemerkt, wie gegensätzlich die Welten sind, in denen wir leben – die Menschen in Deutschland generell, die anderen Gäste in den Sendungen und ich, der Deutsche aus Thailand. Aber wir brauchen alle Menschen, wenn wir etwas für die Elefanten verändern wollen. Nicht nur die Insider. Wie versöhnen wir die konträren Welten? Das ist für mich die größte Herausforderung.

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