Drei Tage in Mae Sapok

 

Ein Jahr lebte ich bereits in Thailand, da erschien am 2. Dezember 2009 im Magazin „Der Spiegel“ die Story „Last Exit Mae Sapok – Der Elefantenflüsterer“.  Das war mal eine völlig andere Nummer als das übliche Elefantenreiten im Korb und im Kreis. Ich hatte keine Ahnung, wo Mae Sapok lag, aber genau da wollte ich hin. Zu den großen Tieren und zu Bodo Förster, diesem offensichtlich ziemlich speziellen Typen.

Mit meiner Begeisterung steckte ich zwei Freunde an. Uwe, genannt Disco, lebte wie ich in Bangkok, Klaus im rheinischen Meerbusch. Zu dritt buchten wir für Juli 2010 den „Education-Trip“ bei Elephant Special Tours.

Disco und Klaus (Foto B. Linnhoff)

Bevor wir zu den Elefanten aufbrachen, wollte ich wissen: Wie bitte schön kommt man an den Namen Disco? Uwe antwortete mit einer Zeitreise: Im Jahr 1982 besaß er in der 11. Klasse des Ubbo-Emmius-Gymnasiums in Leer/Ostfriesland als erster einen Walkman, und einer der zeitgenössischen Chartstürmer hieß „D.I.S.C.O“ – die Junggebliebenen werden sich erinnern.

Nun ist Thailand das Land der Spitznamen, und es gibt keinen besseren als Disco. Jede(r) behält ihn auf Anhieb und für immer.  Wo immer Uwe selbst nach Jahren wieder einkehrt, rufen die Thais fröhlich „Disco!!!“ und schwingen die Hüften zu imaginärer Musik. Während Klaus und ich auch da, wo wir uns als Stammgäste festgebissen haben, so begrüßt werden; „What`s your name again?“

 

Aufwärmen in Chiang Mai

 

Wat Phra Singh in Chiang Mai (Fotos Faszination Fernost/B. LInnhoff)

Vor dem Trip nach Mae Sapok genossen wir zwei Tage lang Chiang Mai, die zweitgrößte Stadt im Königreich. Wir wohnten im Hotel Buri Gallery in der Altstadt, in Rufweite des Tempels Wat Phra Singh. Schon im Hotel grüßten uns die Elefanten von der Wand, ein paar Motive aber schienen nur deshalb auf Holz drapiert, um uns auf ganz andere Gedanken zu bringen.

 

 

Am Morgen des dritten Tages wurden wir von Elephant Special Tours abgeholt, nach einer Stunde Fahrt bezogen wir in Mae Sapok unsere Bungalows im

Mae Win Resort

 

 

Klamottenwechsel. Raus aus den Jeans, rein in die die weiträumig geschnittenen Mahut-Hochwasser-Hosen, und schon waren wir reif für die knapp einstündige Fahrt zum Camp von Elephant Special Tours am Wasserfall. Wir standen noch oben an der wackligen Holzbrücke, die über den Fluss zum Camp führte, und wussten schon in der Draufsicht: Wir hatten alles richtig gemacht!

 

 

Und endlich saßen wir zur Begrüßung unter den Elefanten. Ein Augenblick fürs Leben, ein Moment des absoluten Vertrauens, es bleib kein Raum für Angst. Natürlich vertrauten wir auch Bodo Försters Erfahrung – er würde schon wissen, was er tut, so hofften wir.

Seither, nach vielen Gesprächen mit ihm und mit deutlich mehr Kenntnissen, ist mein Repekt vor den Elefanten eher noch gewachsen.

 

Auf den Spuren der Mahuts

 

Es wurden drei intensive Tage. Wir waren zur thailändischen Regenzeit da, oft jedoch schien die Sonne auf ein üppiges Grün. Anfangs nahmen wir die Natur zur Rechten und zur Linken gar nicht wahr. Wir hatten genug mit den Elefanten zu tun und noch mehr mit uns. Wir lernten die ersten Kommandos der Mahuts und sollten sie laut sprechen, damit sich die Tiere an unsere Stimmen gewöhnten. Kaum ritt ich los, dröhnte es mir schon in den Ohren – Bodo meldete sich aus dem Rückraum: „Bernd, ich hör nichts!“ „Ich hab auch gar nichts gesagt!“, rief ich zurück. So laut wir danach auch wurden, so wenig wussten wir, ob uns die Elefanten überhaupt zuhörten. Ihre Mahuts saßen entweder im Korb hinter uns oder liefen neben uns her – sie mussten ein Kommando nur wispern und schon reagierten ihre Schützlinge.

 

 

Bodo teilte mir die rüstige Dame Mae Gaeo II zu, Anfang 50. Passend zu meinem geringfügig höheren Alter verstanden wir uns gut. Disco ritt Mae Bunge und Klaus schaute aus der Höhe auf uns herab, er thronte auf dem Riesen Phu Sii. Drei Vor- und Nachmittage saßen wir den Tieren jeweils etwa zweieinhalb Stunden im Nacken. Ritten über Stock und Stein, durch Bäche und Flussbetten, Abhänge hoch und Abhänge runter. Unfassbar, wie feinfühlig die Elefanten auf einem einzigen Steinquader Fuß für Fuß eine 90-Grad-Wende vollzogen.

 

 

Eines frühen Morgens holten wir die Elefanten aus dem Wald (dort dürfen sie mittlerweile nicht mehr übernachten), und am Mittag aßen wir mit Bodo und seinem Partner Didi im Camp.

 

 

In unseren Oberschenkeln brannten Muskeln, die wir entweder bis dahin nicht besaßen oder nie gespürt hatten. Wir arbeiteten im Holz, wie es Asiens Elefanten über Jahrhunderte taten, ehe der Holzeinschlag verboten wurde. Wir schoben und stapelten Baumstämme in klarer Rollenverteilung – die Elefanten schoben und stapelten, und wir versuchten, die Balance zu halten und oben zu bleiben.

 

Den Haken setzten wir nach der Maßgabe Bodo Försters ein – zum Führen der Tiere. Haken hinter das linke Ohr gesetzt und leicht in Richtung Kopf gezogen, hieß: Fahrtrichtung rechts, Haken hinterm rechten Ohr: Links ist angesagt. Die Mittagspause nutzten die Tiere zum ungestörten Ausruhen und Fressen, so wie wir auch. 

Auch beim Ausflug am Nachmittag naschten die Elefanten, wann immer möglich, vom Angebot am Wegesrand, bevorzugt frischen Bambus. Am Ende ihres Arbeitstages schlugen sie dann richtig zu. Fressend regenerierten sie deutlich schneller als wir.

Nichts für zwei linke Hände

 

Sackgesicht

 

Beim Anlegen des Geschirrs für den Korb lernten wir in luftiger Höhe Handgriffe, die uns vorher fremd waren und nachher wieder.   

Auch beim gemeinsamen Baden nahe dem Wasserfall ging es um Balance. Wie Eisberge, so lagen auch die Tiere zu mindestens zwei Dritteln unter der Wasseroberfläche. Von ihren verbliebenen Körperteilen flogen wir meist ungebremst ins recht kühle Nass – vor allem Disco verdiente sich bei den Abflügen vorbildliche Haltungsnoten. Und alle paar Minuten dümpelte Elefantendung in kompakten Päckchen gemütlich an uns vorbei.

 

 

Die Freundschaft, die in den Tagen von Mae Sapok zwischen Bodo und uns begann, hält bis heute. 2012 zog ich von Bangkok nach Chiang Mai, so kamen Bodo und ich uns noch einmal näher. Das wurde die Basis für viele intensive Gespräche; langsam lernte ich ihn besser kennen. Und irgendwann, genauer: 2013 war mir klar, dass seine Geschichte und die seiner Elefanten erzählt werden sollte, erzählt werden musste.

 

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